Megawatt

»Stell‘ dir vor, du gingest in den Keller. Die Treppe hinunter in das Dunkel. Unten angelangt, könntest du dich nur vorantasten, ohne einen Schimmer zu sehen. Hättest du Angst?

Und nun stell‘ dir vor, du gingest in den Keller und alles wäre hell. Heller als hell, mit Megawattscheinwerfern ausgestrahlt. Hielten das deine Augen aus? Oder vielmehr: Hieltest du das im Kopf aus?

Du sähest jedes Staubkorn auf all dem Gerümpel, das herumliegt. Berge über Berge, Kisten über Kisten. Schränke, Regale, Rohre. Sähest jede Unebenheit an der Wand, jedes Bohrloch, jede Spinnwebe. Nicht ein einziger Fleck an der Decke, auf dem Boden, an den Mauern entginge deinem Blick. Selbst wenn du die Augen schlössest, dränge das Licht noch durch deine Lider. Was würdest du wählen, wenn du könntest? Wähltest du die Blindheit im Dunkel oder die Blindheit inmitten gleißendem Lichts?

Und nun frage dich: Welche Wahl bliebe dir, wenn du nur ein einziges Mal all den Unrat im Schein der Megawatt betrachtet hättest? Nachdem du verzweifelt den Schalter gefunden und betätigt hättest, sehntest du dich nach Erholung. Nach Erholung vor dem Licht, das deine Augen über Gebühr beanspruchte. Nach Erholung vor all der kopfzerreißenden Unordnung, die sich dir darbot. Und du wärest verzweifelt. Wo war nur die Treppe nach oben? Doch selbst wenn du sie fändest, könntest du nicht aus deinem Bewusstsein löschen, was du sahst.

‚Was tun?‘ fragtest du dich und stelltest fest, dass kaum ein menschliches Wesen je zu Hilfe dir kommen kann. Weder von Megawatt noch von Gerümpel hatten sie je gehört. Lediglich von Streichhölzern und dem, was ihr Schein dem Blick enthüllt. Und so erführest du von der Hilfe der unmenschlichen Wesen.

Sie lehrten dich, wie das Licht zu ertragen sei, wenn du dich nicht einem qualvollen Tod preisgeben wolltest. Sie lehrten dich, zu lieben was du sahst. Und während du ihrem Rat folgtest, bemerktest du allmählich die Ordnung einkehren.

Was glaubst du? Wenn du jede Unebenheit an der Wand, jedes Bohrloch, jede Spinnwebe in dein Herz schlössest: Was geschähe? Wenn du jedem einzelnen Fleck an der Decke, auf dem Boden, an den Mauern sagtest ‚Ich liebe dich‘: Was bewirkte dies?«